Gartenbau in Thüringen

2021 - „Kultiviert – Ein Jahrtausend Gartenbau in Erfurt“

Sonder-Ausstellung im Gartenbaumuseum Erfurt vom 23.04.–10.10.2021

Die Blumenstadt Erfurt und der Erwerbsgartenbau

Der Gartenbau ist prägend für die Erfurter Geschichte. Kennzeichnend sind blühende Felder, Gemüseanbau, Waid
und Brunnenkresse. Erfurt war größter Produzent von Blumensaatgut Deutschlands.

Wir laden Sie zu einem Besuch dieses bewegenden Jahrtausends ein.

Zur Ausstellung erhalten Sie eine Begleitbroschüre. DIese enthält weiterführende Informationen zu den einzelnen Themen der Ausstellung.

Eingangsflur/Entree

Gartenbau-
ausstellungen

Ausbildung und
Forschung

Raum 1
Mittelalter bis ca. 1840

Waid
goldenes Vlies Erfurts

Christian Reichart
Wegbereiter des
modernen Gartenbaus

Dreienbrunnengebiet –
Zentrum des Erfurter
Gartenbaus

Küchendörfer

Anbau von Wein
und Obst

Raum 2
1840 bis 1945

Erfurt – Weltzentrum
des Gartenbaus

Die 5 großen
Kunst- und Handelsgärtnereien
Benary, Chrestensen, Haage, Heinemann, Schmidt

Gemüsegärtnereien

Gärtnereien im
Erfurter Stadtbild
um 1910

Raum 3
1945 bis heute

1945–1972
Umbruchzeiten
vom privaten zum
volkseigenen Betrieb

Das Volkseigene Gut
Saatzucht Zierpflanzen
Leitbetrieb für Blumen

1990 Umbruchzeiten
auch im Gartenbau

Raum 4

Saatgutreinigung

Fotobereich

Infomaterialien

Eingangsflur/Entree

Gartenbau-
ausstellungen

Ausbildung und
Forschung

Eingangsflur/Entree

Die bedeutendsten Erfurter Gartenbauausstellungen

<p>Gartenbau Erfurt</p>

Gartenbau Erfurt

Erfurter Gartenbauausstellungen entwickelten sich mit der Stellung Erfurts bei der Züchtung, der Produktion und dem Handel von gärtnerischen Pflanzen und Saatgut ab Mitte des 18. insbesondere vom 19. bis Mitte des 20. Jh. Die „Erfurtische Blumengesellschaft“, der „Erfurter Gartenbauverein“ und der „Verschönerungsverein“ waren Initiator vieler Ausstellungen. Die iga und die ega auf der Cyriaksburg setzen die Tradition fort.

Impressionen:

Gartenbau Erfurt
Gartenbau Erfurt
Gartenbau Erfurt
Gartenbau Erfurt

Informationen zum Dowload:

Gartenbauausbildung - damals und heute

Gartenbauliche Bildung in Erfurt

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Ausbildungskurse und Meisterkurse durch Gartenbauvereine
und Lehranstalten, so z. B. die 1848 gegründete Gärtnerlehranstalt auf dem ehemaligen Gelände
des Botanischen Gartens der Erfurter Universität durchgeführt.

Ende des 19. Jh. bis Anfang des 20. Jh. kamen viele junge Menschen aus Deutschland und Europa
nach Erfurt, um den Beruf des Gärtners nach dem Prinzip „Lernen durch Anschauung und Nachmachen“ zu erlernen.

Ab 1948 bis 1960 fand die theoretische Bildung der Gärtner in der Berufsschule in der Weidengasse, ab 1960 bis 1991in der Betriebsberufsschule des VEG Saatzucht Zierpflanzen Erfurt statt.

Höhere Gartenbaubildung in Erfurt

Ab 1946 bildete die Fachschule für Gartenbau Erfurt Gartenbautechniker, Gärtnermeister, sowie ab 1955 Gartenbauingenieure aus.

Im Juli 1991 wurde die Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau Erfurt (LVG) mit Ein- und Zweijähriger
Fachschule, Überbetrieblicher Ausbildung und Versuchswesen gegründet.

Ebenfalls 1991 wurde benachbart die Ingenieurschule für Gartenbau –Fachbereiche Gartenbau und Landschaftsarchitektur, seit 2007 ergänzt mit dem Fachbereich Forst errichtet.

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Raum 1 Mittelalter bis ca. 1840

Waid
goldenes Vlies Erfurts

Christian Reichart
Wegbereiter des
modernen Gartenbaus

Dreienbrunnengebiet –
Zentrum des Erfurter
Gartenbaus

Küchendörfer

Anbau von Wein
und Obst

Raum 1: Mittelalter bis Beginn der Industralisierung

Waid – goldenes Vlies Erfurts

<p>Blaufärbemittel Waid</p>

Blaufärbemittel Waid

Der Waid ist das wichtigste Blaufärbemittel im Europa des Mittelalters. Amiens, Toulouse (F) sowie Urbino (I) stehen neben Erfurt für Waidzentren. Dabei hatte Erfurt vom 13. bis 17. Jh. eine herausragende Stellung. Günstige Naturbedingungen förderten den Waidanbau.

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Christian Reichart

bedeutende Persönlichkeit Erfurts

<p>Christian Reichart</p>

Christian Reichart

Christian Reichart lebte vom 04.07.1685 bis 30.07.1775 in Erfurt, in einer Zeit, in der die Wiederbelebung der Wirtschaft und des Handels nach der „Pestzeit“ wichtigstes Ziel der Mainzer Erzbischöfe war, zu deren Hoheitsgebiet Erfurt bis Anfang des 19. Jh. gehörte.

Reichart war eine bedeutende Persönlichkeit der Stadt Erfurt. Bekannt sind seine Leistungen für die Entwicklung des Gartenbaus. Er übte auch zahlreiche wichtige Funktionen in der Stadt aus.

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Dreienbrunnengebiet

Zentrum des Erfurter Gartenbaus

Zwischen Steiger und Cyriaksburg durchfließt die Gera ein Tal. Dort befand sich ein sumpfiges Gelände von ca. 65 ha, in dem es wildwachsende Brunnenkresse gab. Schon 1355 wurde das Wasser in die Gera abgeleitet und es entstanden Gärten.

Auch die Familien Reichart, Engelhardt und Haage besaßen dort Land. Ab 1655 begann der Gärtner H. Hartzen wild wachsende Brunnenkresse zu ernten und bündelweise auf dem Erfurter Markt zu verkaufen. Ab 1725 wurden durch Reichart und andere Gärtner künstliche Wasserflächen, die Klingen geschaffen. Zwischen den Becken mit der Brunnenkresse entstanden Wälle, genannt Jähne, auf denen Obst und Gemüse angebaut wurden. 7 ha Brunnenkresse und 25 ha Gemüsefläche mit Kohl, Salat, Sellerie und Kräutern entstanden.

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Erfurter Küchendörfer

Der König überließ dem Mainzer Erzbischof einige Dörfer zur Lebenssicherung seines Hofes
in Erfurt.

Die Küchendörfer hatten zunächst Naturalien, später auch Geldleistungen an den erzbischöflichen Erfurter Hof zu liefern. Der Küchenmeister, der höchste ökonomische Beamte, überwachte die Leistungen.

Ein Küchendorf hatte neben den Pflichten auch besondere Privilegien. Die Bewohner konnten in Erfurt zollfrei ein- und verkaufen sowie steuerfrei Bier brauen.

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Anbau von Wein und Obst

Erfurt – auch eine Stadt des Weins

Im Mittelalter war die Weinerzeugung in Thüringen weit verbreitet, mit einem Zentrum in und um Erfurt. Fränkische und katholisch-kurmainzische Einflüsse förderten den Weinanbau. Rings um die vielen Klöster und in den Dörfern gab es Weinberge.

1121 erstmals erwähnt, wurden im Raum Erfurt um 1614 ca. 2.000.000 Liter Wein erzeugt. Dahinter standen 1500–2000 ha Anbaufläche.

Obstbau in und um Erfurt

Die nach Bonifatius in Erfurt ab dem 8. Jh. wirkenden Mönche etablierten auch den Obstbau in und
um die Stadt. Belege dafür sind der Obstgarten des Petersklosters sowie verschiedene andere Obstgärten.

Die von Kaiser Karl dem Großen erlassene Capitulare de villis brachte den Obst-und Gartenbau auch in und um Erfurt voran. Klöster hatten mit ihren Gärten und Ländereien auch die Bürger der Städte und Gemeinden mit einem umfangreichen Sortiment an Getreide, Kräutern, Obst, Gemüse und Wein zu versorgen.

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Raum 2 1840 bis 1945

Erfurt – Weltzentrum
des Gartenbaus

Die 5 großen
Kunst- und Handelsgärtnereien
Benary, Chrestensen, Haage, Heinemann, Schmidt

Gemüsegärtnereien

Gärtnereien im
Erfurter Stadtbild
um 1910

Raum 2: 1840 bis 1945

Erfurt – Weltzentrum des Gartenbaus

Die traditionsreiche Kunst- und Handelsgärtnerei erreichte im 19. und frühen 20. Jahrhundert den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Sie wurde ein die Wirtschaft und den Ruf der Stadt prägender Sektor.

Der in dieser Zeit erworbene Beiname „Blumenstadt“ wurde durch große Gartenbauausstellungen seit 1865 gefestigt. Von Erfurt gingen zudem Innovationen wie der Versand von getrockneten Blumen und frischen Schnittblumen aus. Die Verschickung von Sämereien in bunten Samentüten wurde zum Markenzeichen der Erfurter Gartenbaubetriebe und machte schon 1862 rund 90% des gartenbaulichen
Exports aus.

Impressionen:

Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt
Blumenstadt Erfurt

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Die 5 großen Kunst- und Handelsgärtnereien

Besonders die fünf großen Firmen bzw. Unternehmerfamilien Haage, Schmidt, Benary, Heinemann und Chrestensen erlangten im 19. und frühen 20. Jahrhundert Weltbedeutung.

Impressionen:

Informationen zum Download:

Gemüsegärtnereien

<p>Erfurter Gemüseanbau</p>

Erfurter Gemüseanbau

Gemüse wurde im Mittelalter in den Gärten erzeugt. Erwerbsmäßigen Anbau und Vermarktung von Gemüse gab es ab dem 17. Jh. Rümpler erwähnte bereits 1865 in „Erfurts Land- und Gartenbau“ 45 Gemüsegärtner. Besondere Bedeutung hatte das Wirken von C. Reichart im Dreienbrunnengelände. Er entwickelte neue Anbausysteme für viele Gemüsearten. Gemüse, Kräuter und landwirtschaftliche Arten wurden in gemeinsamen Fruchtfolgen angebaut.

1908 waren nach Haupt ca. 120 Gemüsebaubetriebe in Erfurt ansässig. Besondere Symbolkraft hatte dabei der Blumenkohl. Anbau, Züchtung und Saatgutproduktion wurden zur Perfektion entwickelt. 1911 wurde in Erfurt die Genossenschaft m.b.H. „Erfurter Blumenkohlzüchter“ als erste deutsche Erzeuger- und Vertriebsorganisation der Gemüsegärtner gegründet. Über 40  Gemüsebaubetriebe waren hier Mitglied. „Blumenkohlkönige“ der ersten Hälfte des 20. Jh. waren Paul und Sohn Ludwig Lohfeld. Mehr als 20 Eisenbahnwaggons mit Gemüsestiegen wurden täglich verladen.

Informationen zum Download:

Gärtnereien im Erfurter Stadtbild um 1910

Franz Martin – Samenzucht & Samenhandlung

Das Unternehmen wurde 1908 durch Franz Martin sen. mit Sitz in Erfurt, Blumenstraße 9 gegründet. Franz Martin sen. wurde 1873 in Erfurt geboren.

1908 erschien sein erster Katalog „Engros Preisverzeichnis Franz Martin Samenhandlung Erfurt – Feld-, Gemüse- und Blumensamen in 1a-Qualität. Spezialität: Futterrunkeln und Grassaaten-Mischungen“. Seine Firma erfreute sich steil ansteigenden Zuspruchs. Er erwarb Land in der Andreasflur und baute einen Wirtschaftshof mit Gewächshaus, Frühbeeten, Scheune und Bewässerungsanlage als Voraussetzung für die Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion auf.

Impressionen:

Rudolf Büchner Erfurter Samenbau AG
Liebau + Co.

Informationen zum Download:

Raum 3 1945 bis heute

1945–1972
Umbruchzeiten
vom privaten zum
volkseigenen Betrieb

Das Volkseigene Gut
Saatzucht Zierpflanzen
Leitbetrieb für Blumen

1990 Umbruchzeiten
auch im Gartenbau

Raum 3: 1945 bis heute

Umbruchzeiten 1945 - 1972

Vom privaten zum volkseigenen Betrieb

<p>Erfurter Gartenschau 1950</p>

Erfurter Gartenschau 1950

Vom privaten zum volkseigenen Betrieb

Nach 1945 entwickelten sich für 45 Jahre gegensätzliche gesellschaftliche Systeme in Deutschland. Erfurt wurde Teil der sowjetisch besetzten Zone und der DDR und war zunehmend geprägt von Verstaatlichung und Zentralisierung.

Mit dem Befehl 58 (15.02.1946) der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) wurde der Staatsbetrieb Deutschen Saatzuchtgesellschaft (DSG) gegründet. Hier gingen zunächst ungenutzte Gärtnereiflächen u. a. Döppleb, Stenger und Rotter ein. Ab 1949 wurden weitere Firmen Benary, J.C.Schmidt, Liebau & Co., Ziegler, Papst und Weigelt durch wirtschaftlichen und politischen Druck zur Aufgabe gezwungen.

Informationen zum Download:

Das Volkseigene Gut Saatzucht Zierpflanzen

Leitbetrieb für Blumen

1956 übernahm das Volkseigene Gut Saatzucht Erfurt (VEG) Züchtung und Produktion von der DSG. Trotzdem bestanden bis 1972 erfolgreiche, bekannte, private Gartenbaubetriebe (Kakteen
Haage, N.L. Chrestensen, F.C. Heinemann).

Über eine staatliche Beteiligung wurde 1972 die Verstaatlichung durch einen reglementierten Verkauf abgeschlossen. Das VEG wurde 1964 zum VEG Saatzucht Zierpflanzen Erfurt und ab 1968 zum zentralen Kombinatsbetrieb mit Betriebsteilen quer durch die DDR. Produktion, Züchtung und Handel wurden komplett umstrukturiert. Es entstanden große, zentral geleitete Einheiten (z.B. 17 ha Gewächshäuser und ein Wissenschaftlich- Technisches Zentrum in Erfurt Mittelhausen/Kühnhausen mit 1200 Beschäftigten).

Impressionen:

Exotica '88 - Bezirks-Varistikausstellung
Blumenstadt Erfurt
IGA Erfurt

Informationen zum Download:

1990 Umbruchzeiten - auch im Gartenbau

Mit der politischen Wende gingen 90% der Arbeitsplätze verloren. Chrestensen und Haage konnten durch Reprivatisierung ihre Traditionslinie fortsetzen. Durch Aus- oder Neugründung entstanden Rose Saatzucht, Stauden Poltermann, Steinecke Gartenbau, Zierpflanzen Buckenauer, Fischer Gemüse und 5 Zierpflanzenbetriebe in Mittelhausen.

Informationen zum Download:

Raum 4

Saatgutreinigung

Fotobereich

Infomaterialien

Raum 4

Saatgutreinigung

Fotobereich

Infomaterialien